Freiwillige Arbeitslosenversicherung: Angeblich Rauswurf nach Einstellung der Beitragszahlungen möglich

Antragspflichtversicherung – Ja oder nein für Existenzgründer?

Wie schon auf der Erläuterungsseite zur Antragspflichtversicherung bzw. Freiwillige Arbeitslosenversicherung aufgeführt, bietet die Bundesagentur für Arbeit Existenzgründern die Möglichkeit an, sich weiterhin freiwillig in der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung zu versichern.

Allein diese Option ist sicherlich eine gute Sache, denn diese Absicherung lässt noch junge Selbständige etwas ruhiger an ihr großes Projekt „Eigene berufliche Existenz aufbauen“ herangehen.

Bevor Sie sich für die freiwillige Weiterversicherung entscheiden, müssen Sie als Existenzgründer einmal bestimmte Voraussetzungen erfüllen:

  1. Sie müssen vor Aufnahme Ihrer selbständigen Tätigkeit innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens ein Jahr in einem versicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis gestanden haben.
  2. Sie müssen unmittelbar vor Ihrer Selbständigkeit ALG I bezogen haben.

Doch auch wenn Sie diese beiden wesentlichen Punkte erfüllen, sollten Sie sich mittlerweile ausreichend Gedanken machen, ob Sie sich freiwillig weiterversichern wollen.

Da die Versicherungsbedingungen sich seit diesem Jahr deutlich verschärft haben, ist es schwer, einen Rat für oder gegen die Antragspflichtversicherung auszusprechen. Letztendlich muss es jeder Existenzgründer mit sich selbst ausmachen, ob er sich auf diese Art und Weise bei seinem Scheitern absichern will.

Contra Antragspflichtversicherung

Die wesentlichen ungünstigen Entwicklungen der Antragspflichtversicherung sind einmal der deutliche Anstieg des monatlichen Versicherungsbeitrags: Im Jahr 2011 liegt er im Westen Deutschlands bei 38,33 Euro monatlich, im Osten bei gut 33 Euro.

Und im folgenden Jahr wird er sich nochmals verdoppeln, sodass im Westen über 75 Euro monatlich in die Versicherung eingezahlt werden müssen. Außerdem müssen Sie nun mindestens fünf Jahre in dieser Versicherung bleiben. Zumindest sieht es nach den aktuellen Regelungen so aus. Ob im nächsten Jahr in dieser Beziehung eine Änderung eintritt, weiß noch niemand.

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Gerade wer am Anfang seiner Selbständigkeit noch keine dauerhaften Einnahmen erzielt, der wird sich wahrscheinlich mehrmals überlegen, ob er die gut 38 Euro bzw. gut 76 Euro im nächsten Jahr über einen Zeitraum von fünf Jahren zahlen kann oder will. Meistens zeigt es sich ja nach drei Jahren, ob man auf dem Markt bestehen kann und so wird die Arbeitslosenversicherung spätestens dann uninteressant, sodass man zu diesem Zeitpunkt gerne aussteigen und sich die Versicherungsbeiträge sparen würde. Das geht nun nicht mehr.

Pro Antragspflichtversicherung

Auf der anderen Seite – sollte man als Selbständiger wirklich scheitern – hat man Anspruch auf zumindest sechs Monate Arbeitslosengeld (ALG I), dessen Höhe sich nach einem fiktiven Arbeitsentgelt richtet. Die Höhe des fiktiven Arbeitsentgelts ist u. a. von der Beschäftigung, auf die sich die Vermittlungsbemühungen der Bundesagentur für Arbeit für den Arbeitslosen richten, und der für die Ausübung dieser Beschäftigung erforderlichen Qualifikation abhängig.

Wenn Sie nicht freiwillig arbeitslosenversichert sind und Ihre Selbständigkeit scheitert, können Sie nur ALG II (Hartz IV) geltend machen. Also auch keine gute Alternative.

Fazit

Als Fazit bleibt, dass auch trotz der zunehmenden unattraktiven Versicherungsbedingungen die Antragspflichtversicherung immer noch eine gute Option ist, sich den Bezug von ALG I nach Aufgabe der Selbständigkeit für einen Mindestzeitrahmen von sechs Monaten zu sichern.

Wer auch noch eine Familie zu ernähren hat, dem sollte man doch empfehlen, diese Versicherung abzuschließen.

(Bildquelle Artikelanfang: © Markus Bormann #20155544/Fotolia.com)