Freiwillige Arbeitslosenversicherung: Angeblich Rauswurf nach Einstellung der Beitragszahlungen möglich

Freiwillige Arbeitslosenversicherung – Beiträge 2012 verdoppelt

Schon in den letzten Tagen des vergangenen Jahres flatterte das Schreiben der Bundesagentur für Arbeit bei mir ein mit den neuen Beitragszahlungen für die freiwillige Arbeitslosenversicherung im Jahr 2012.

Ich wusste es ja schon vorher, dass sich die Beiträge mal wieder verdoppeln, daher war es auch kein großer Schreck zu lesen, dass nun monatlich 78,75 Euro fällig werden, zumindest in den alten Bundesländern. In den neuen liegt der Beitrag bei 67,20 Euro.

Soweit ich weiß, gibt es für Neu-Selbständige im ersten Jahr eine besondere Regelung: Sie müssen nur die Hälfte des Beitrages zahlen.

Wer kann sich freiwillig weiterversichern?

Nicht jeder Selbständige kann sich über die freiwillige Arbeitslosenversicherung (oder Antragspflichtversicherung) weiter versichern. Dies ist nur möglich, wenn neue Existenzgründer

  • vor Beginn ihrer Selbständigkeit versicherungspflichtig in der Arbeitslosenversicherung waren
  • und sie müssen für die vergangenen 24 Monate mindestens 12 versicherungspflichtige Monate nachweisen können. Meistens sind dies Beschäftigungszeiten, aber auch Erziehungszeiten von Kindern unter drei Jahren fallen darunter.

Erfüllen Sie diese Auflagen nicht, reicht es auch, wenn Sie vor der Existenzgründung ALG I bezogen haben.

Existenzgründer, die noch nie arbeitslosenversichert waren, können sich nicht freiwillig gegen Arbeitslosigkeit versichern, wie beispielsweise Hochschulabgänger.

Innerhalb der ersten drei Monate der Existenzgründung muss der Antrag auf Weiterversicherung bei der örtlichen Arbeitsagentur gestellt werden.

Warum sind die Beiträge in den letzten Jahren so deutlich gestiegen?

So wie ich es gelesen habe, werden die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung auf Grundlage einer monatlichen Bezugsgröße berechnet, die jährlich neu festgelegt wird.

Diese Bezugsgröße entspricht ungefähr dem Durchschnittseinkommen aller Beschäftigten. Im Jahr 2012 liegt die Bezugsgröße in den alten Bundesländern bei 2.625 Euro, in den neuen Bundesländern bei 2.240 Euro.

Für Selbständige wird der Beitrag nun auf Grundlage der vollen Bezugsgröße berechnet, in den Jahren zuvor waren es nur 25 Prozent, im vergangenen Jahr schon 50 Prozent. Drei Prozent von dieser Bezugsgröße müssen Selbständige als Versicherungsbeitrag zahlen. Diese Beitragshöhe zahlt auch ein Arbeitnehmer. Aus Gründen der Gerechtigkeit wurde deshalb auch der Beitrag der Selbständigen angepasst.

Fiktive Gehaltseinstufungen bei Arbeitslosigkeit

Wird ein Selbständiger (der freiwillig arbeitslosenversichert war) arbeitslos, hat er Anspruch auf Arbeitslosengeld. Dabei wird er zunächst in eine fiktive Gehaltsstufe eingeordnet, die sich nach der jeweiligen beruflichen Qualifikation richtet.

Generell sehen die ALG I-Zahlungen folgendermaßen aus:

Höhe des monatlichen Arbeitslosengeld I nach fiktiver Einstufung für freiwillige Versicherte in 2012*

Steuer-
klasse
I/IV

Steuer-
klasse
II

Steuer-
klasse
III

Steuer-
klasse
V

Berufliche Qualifikation** ohne Kind mit Kind mit Kind ohne Kind mit Kind ohne Kind mit Kind
Alte Bundesländer
Ohne Berufsausbildung 669,00 747,00 767,70 746,40 833,40 550,50 614,70
Ausbildungsberuf 839,70 937,80 958,50 962,40 1.074,60 693,30 774,00
Meister 1.005,90 1.123,20 1.146,00 1.149,30 1.283,40 828,30 924,90
Uni/Fachhochschule 1.164,90 1.300,80 1.325,70 1.320,00 1.473,90 956,10 1.067,40
Neue Bundesländer
Ohne Berufsausbildung 595,50 664,80 680,10 636,90 711,30 497,40 550,30
Ausbildungsberuf 738,90 825,00 845,10 842,10 940,20 607,20 678,30
Meister 885,00 988,20 1.009,80 1.014,00 1.132,50 731,10 816,60
Uni/Fachhochschule 1.025,40 1.144,80 1.167,90 1.169,40 1.305,60 843,60 942,00

 

* Zugrunde gelegt wurden die Bezugsgrößen des Jahres 2012 und der Arbeitslosengeld-Rechner der Bundesagentur für Arbeit für 2011        

** berufliche Qualifikation, die für die Tätigkeit erforderlich ist, in die vermittelt wird

Wie aus der Tabelle ersichtlich ist, erhalten arbeitslose Selbständige mit Uni- oder Fachhochschulabschluss den höchsten ALG I-Betrag, Geringqualifizierte bekommen nur gut die Hälfte, obwohl sie ja denselben Versicherungsbeitrag zahlen.

Daraus lässt sich ableiten, dass sich die freiwillige Arbeitslosenversicherung  – auch wenn sie jetzt deutlich teurer geworden ist – vor allem für Selbständige mit höherem Bildungsabschluss weiterhin lohnt.

Und auch für Selbständige über 50 ist es empfehlenswert, in der Arbeitslosenversicherung zu bleiben, weil sie im Falle der Arbeitslosigkeit ein paar Monate mehr ALG I-Zahlungen erhalten.

Gering Qualifizierte sollten sich die Sache genau überlegen, denn die Leistungen für sie sind so niedrig, dass sie oft noch mit Hartz IV aufstocken müssen, um sich den Lebensunterhalt sichern zu können. Daher ist für diese Berufsgruppe die freiwillige Arbeitslosenversicherung am wenigsten zu empfehlen.

Wann ist man als Selbständiger arbeitslos?

Wann man als Selbständiger arbeitslos ist, lässt sich nicht so einfach definieren. Grundsätzlich gilt, dass ein Selbständiger ohne Arbeit ist, wenn die selbständige Tätigkeit so schlecht läuft, dass diese weniger als 15 Stunden pro Woche in Anspruch nimmt. Dann kann man sich als arbeitslos bzw. arbeitssuchend melden.

Die selbständige Tätigkeit können Sie weiterhin als Nebeneinkommen weiterführen, allerdings dürfen Sie nicht mehr als 165 Euro Gewinn erzielen. Ein höherer Betrag wird dann auf das ALG I angerechnet.

Und natürlich müssen Sie bereit sein, jede zumutbare Arbeit anzunehmen.

Ausstieg aus der freiwilligen Arbeitslosenversicherung

Seit 2011 gibt es eine offizielle Kündigungsmöglichkeit, allerdings erst nach fünf Versicherungsjahren. Man kann aber auch seine Zahlungen einstellen und wird dann nach drei Monaten aus der Versicherung ausgesteuert, rückwirkend ab dem Monat, in dem keine Zahlung mehr erfolgte.

Sind Sie aus der freiwilligen Arbeitslosenversicherung ausgestiegen, haben Sie immer noch Versicherungsschutz. Wenn Sie einen Antrag auf ALG I stellen, haben Sie darauf Anspruch, wenn Sie in den vergangenen 24 Monaten mindestens 12 Monate Versicherungsbeiträge gezahlt haben.

(Bildquelle Artikelanfang: © Markus Bormann #20155544/Fotolia.com)