Wichtiges zur Krankentagegeld-Versicherung

Anwartschaftsversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung – ja oder nein?

Bevor näher auf die Vorteile der Anwartschaftsversicherung eingegangen wird, sollte geklärt werden, was unter dem Begriff zu verstehen ist. Als die Krankenversicherung noch keine Pflichtversicherung war, konnte man – wenn man über einen längeren Zeitraum keinen Krankenversicherungsschutz benötigte – entweder aus der Versicherung austreten oder aber eine Anwartschaftsversicherung abschließen. Dieser Schritt war deutlich sinnvoller als komplett die Versicherung zu verlassen, erstens weil die versicherungslose Zeit mit Risiken behaftet ist und zweitens, weil es aufwändiger ist, wieder einen neuen Versicherungsantrag zu stellen.

Die Anwartschaftsversicherung sah vor, dass über einen bestimmten Zeitraum die Versicherungspflichten und -rechte der Versicherungspartner ruhen, der Versicherer aber zusichert, nach der Anwartschaftszeit dem Versicherungsnehmer zu den alten Konditionen erneuten Versicherungsschutz zu leisten. In der Zeit, in der die Versicherungsleistungen ruhen, zahlt der Versicherungsnehmer einen geringen Anwartschaftsbetrag.

Und obwohl seit 2007 die Krankenversicherung eine Pflichtversicherung ist, gibt es doch noch Situationen, in denen die Anwartschaftsversicherung sinnvoll ist.

Die verschiedenen Gründe für eine Anwartschaftsversicherung führe ich nachfolgend auf:

1. Wenn Sie einen Auslandsaufenthalt aus beruflichen oder anderen Gründen vorhaben und danach eine selbständige Tätigkeit in Deutschland ausüben wollen als freiwillig Versicherter in der GKV, ist eine Anwartschaftsversicherung zu empfehlen. So erhalten Sie sich Ihren Anspruch auf Krankengeld.

2.  Sie kommen während eines längeren Auslandsaufenthaltes ab und zu für kurze Zeit nach Deutschland zurück, ohne den Wohnsitz wieder dorthin zu verlegen. Die klassische Versicherungspflicht setzt aber nur ein, wenn Ihr Wohnsitz wieder in Deutschland liegt, nicht aber bei kurzzeitigen Aufenthalten. Um auch in einem solchen Fall abgesichert zu sein, sollten Sie eine Anwartschaftsversicherung abschließen.

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3. Sie verlegen Ihren Wohnsitz in ein anderes Land der EU, des Europäischen Wirtschaftsraumes oder in die Schweiz und sind dort privat krankenversichert. Damit verwirken Sie sich die Möglichkeit, bei einer Rückkehr nach Deutschland erneut Pflichtmitglied der GKV zu werden. Mit der Anwartschaft wahren Sie sich die Option, nach der Rückkehr nach Deutschland wieder in die GKV eintreten zu können.

4. Die Anwartschaftsversicherung wird ebenfalls bei der Vorversicherungszeit für Pflegeleistungen berücksichtigt. Leistungen der Pflegeversicherung werden nur gewährt, falls Sie in einem Zeitraum von 10 Jahren vor der Antragstellung eine Vorversicherungszeit von zwei Jahren nachweisen können.

5. Die gesetzliche Krankenversicherung darf auch einen Leistungsauschluss verhängen und zwar dann, wenn Sie Ihren ausländischen Wohnsitz nach Deutschland zurückverlegen, nur um missbräuchlicherweise Leistungen der GKV in Anspruch zu nehmen. Haben Sie eine Anwartschaftsversicherung, wird Ihnen eine Versicherungsaufnahme bzw. -fortführung ohne Probleme ermöglicht.

6. Wollen Sie später Pflichtmitglied in der Krankenversicherung der Rentner werden, müssen Sie als Voraussetzung dafür in der zweiten Hälfte Ihres Erwerbsleben 9/10 dieser Zeit in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert gewesen sein. Sollten Sie während Ihres Berufslebens einige Jahre im Ausland gearbeitet haben, wäre die 9/10-Regel wahrscheinlich hinfällig. Auch in diesem Fall ist eine Anwartschaftsversicherung sinnvoll.

Wer also einen langjährigen Auslandsaufenthalt vorhat, der sollte aus rechtlichen Sicherheitsgründen auf jeden Fall eine Anwartschaftsversicherung erwägen.

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