Versicherungen beenden: Teil 2 – Kündigung von langfristigen Verträgen und Auflösung von neuen Verträgen

Versicherungen beenden

Reguläre Kündigungen von langfristigen Verträgen

Für Versicherungsnehmer sind langfristige Verträge auf der einen Seite oft günstiger, weil sie durch die lange Laufzeit einen Beitragsrabatt erhalten, auf der anderen Seite aber auch ungünstiger, denn die Versicherung ist unflexibel und kann auf Veränderungen auf dem Versicherungsmarkt nicht entsprechend reagieren.

Wer aus einem langfristig angelegten Vertrag aussteigen will, der ab dem 1. Januar 2008 abgeschlossen wurde, kann nach Ablauf der Dreijahresfrist jährlich kündigen. Wer eine neue Versicherung abschließt, sollte generell darauf achten, dass diese jährlich gekündigt werden kann.

Außerordentliche Kündigungen von langfristigen Verträgen

Unter bestimmten Umständen haben Versicherungsnehmer auch die Möglichkeit einer außerordentlichen Vertragskündigung.

Beitrags- oder Prämienerhöhung:
Sollte das Versicherungsunternehmen die Versicherungsbeiträge erhöhen, ohne dass der Leistungsumfang verbessert wird, hat der Versicherungsnehmer nach Erhalt dieser Nachricht einen Monat Zeit, die Kündigung einzureichen. Diese wird entweder gleich wirksam oder erst zum Zeitpunkt der Beitragserhöhung.

Erhebung oder Erhöhung eines Zusatzbeitrages bei den gesetzlichen Krankenversicherungen:
Bei den gesetzlichen Krankenkassen verfügt man über ein Sonderkündigungsrecht, wenn ein Zusatzbeitrag erhoben wird. Man hat dann die Möglichkeit, seine Mitgliedschaft zum Ende des übernächsten Monats zu kündigen. Die Krankenkasse muss den Versicherungsnehmer spätestens einen Monat vorher auf das Sonderkündigungsrecht wegen dieses Zusatzbeitrages oder seiner Erhöhung schriftlich hinweisen. Erhält der Versicherte diese Information nicht, dann verschiebt sich das Sonderkündigungsrecht um den entsprechenden Zeitraum, bis er diesen Hinweis bekommt.

Diese Möglichkeit der Kündigung besteht nur solange, bis der Zusatzbeitrag oder seine Erhöhung zum ersten Mal fällig wird.

Sonderkündigungsrecht in der gesetzlichen Krankenversicherung:
In dieser Versicherung haben Versicherte ein Sonderkündigungsrecht, falls die Voraussetzungen für eine Familienversicherung vorliegen oder falls keine Versicherungspflicht mehr besteht und der Versicherungsnehmer in die private Krankenversicherung wechseln kann und will. Dann besteht die Möglichkeit, zum Ablauf des übernächsten Kalendermonats die Mitgliedschaft in der Versicherung zu kündigen.

Sonderkündigungsrecht in der privaten Krankenversicherung:
Innerhalb der ersten zwei Monate nach Eintritt in die Versicherung kann der Versicherungsnehmer seine Mitgliedschaft kündigen, ohne an Fristen gebunden zu sein, wenn er wieder in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungspflichtig wird. Ist diese Frist vorbei, kann der Vertrag nur zum Monatsende gekündigt werden, in dem der Versicherungsnehmer den Eintritt der Versicherungspflicht nachweisen kann.

Heirat, Umzug, Tod:
Bei manchen Ereignissen hat der Versicherungsnehmer ebenfalls die Option, aus bestimmten Versicherungen auszutreten. So kann man bei Heirat eine der beiden Privathaftpflichtversicherungen kündigen (es lässt sich nur der zuletzt abgeschlossene Vertrag kündigen). Das gleiche gilt für die Rechtsschutzversicherung und für die Hausratsversicherung (obwohl man bei letztgenannter darauf hoffen muss, dass das Versicherungsunternehmen mitspielt und den jüngeren Vertrag kündigt).

Bei Umzug kann der Versicherungsnehmer die Hausratversicherung kündigen, wenn der Beitrag durch eine geänderte Tarifzone ansteigt.

Beim Tod des Versicherungsnehmers kann bei einigen Versicherungen der Schutz erlöschen. Um nicht ohne Versicherungsschutz zu sein, sollten Angehörige das Versicherungsunternehmen über das Ableben des Versicherungsnehmers informieren.

Hauskauf:
Beim Kauf einer Immobilie kauft man die entsprechende Gebäudeversicherung sozusagen mit. Dem Käufer wird aber freigestellt, ob er den Vertrag weiterführt oder eine neue Gebäudeversicherung abschließt.

Die Kündigungsfrist beträgt einen Monat und beginnt, nachdem der Immobilienkäufer als neuer Eigentümer in das Grundbuch eingetragen wurde. Man sollte die bestehende Versicherung erst kündigen, wenn eine konkrete Zusage eines anderen Versicherungsunternehmens existiert.

KFZ-Kauf:
Das gleiche gilt bei einem Autokauf. Hier erwirbt der Käufer die KFZ-Versicherung mit. Es steht ihm offen, diese zu übernehmen, innerhalb einer Frist von vier Wochen zu kündigen oder eine neue bei einem anderen Versicherungsunternehmen abzuschließen.

Wird das Fahrzeug gleich bei einer neuen Versicherungsgesellschaft versichert, wird dies als Kündigung des alten Vertrags angesehen. Eine explizite Kündigung ist nicht notwendig.

Schadensfall:
Nach einem Schadensfall kann auf der einen Seite der Versicherungsnehmer, auf der anderen Seite auch das Versicherungsnehmen den Vertrag kündigen. Das Unternehmen muss dabei eine Frist von einem Monat einhalten, der Versicherungsnehmer kann dagegen entweder sofort oder zu einem anderen Zeitpunkt kündigen, spätestens bis zum Ende des Versicherungsjahres.

Gerade wenn sich einige Schadensfälle in kurzer Zeit häufen, steigt das Risiko, dass das Versicherungsunternehmen kündigt. Es wird dann nicht so einfach, eine neue Versicherung zu finden.

Wer das vermeiden will, kann dem Versicherungsunternehmen eine angemessene Selbstbeteiligung an den Schadensfällen oder einen Risikozuschlag vorschlagen. Oder man bittet, dass die Versicherungsgesellschaft die Kündigung zurückzieht und man stattdessen die eigene Kündigung einreicht.

Hat man bei Kündigung zu viel an Beiträgen gezahlt, muss das Versicherungsunternehmen diese Beiträge zurückzahlen.

Kündigung von neuen Verträgen

Hat man gerade erst einen Vertrag abgeschlossen und man will seinen Entschluss wieder rückgängig machen, d.h. aus dieser Versicherung heraus, sollte man seine Willenserklärung widerrufen.

Innerhalb von 14 Tagen kann man seine Vertragserklärung widerrufen, bei Lebensversicherungen hat man sogar 30 Tage Zeit. Sobald man den Versicherungsschein, die Vertragsbestimmungen und die Widerrufsbelehrung erhalten hat, läuft die Widerrufsfrist.

Der Widerruf muss schriftlich formuliert werden und sollte am besten per Einschreiben an die Versicherungsgesellschaft versenden werden.

Nicht jede abgeschlossene Versicherung kann man innerhalb von 14 Tagen widerrufen. Es gibt folgende Ausnahmen:

  • Verträge mit einer Laufzeit von weniger als 30 Tagen können nicht widerrufen werden.
  • Verträge, die von beiden Seiten auf ausdrücklichen Wunsch des Versicherten vollständig erfüllt sind, bevor dieser sein Widerrufsrecht ausgeübt hat, können ebenfalls nicht widerrufen werden.
  • Versicherungsverträge über eine vorläufige Deckung können nicht widerrufen werden, außer es handelt es sich dabei um einen Fernabsatzvertrag, den man im Internet, schriftlich, telefonisch oder per Fax und ohne ein persönliches Treffen mit einem Vermittler abgeschlossen hat.

Sind Fristen schon überschritten, kann man noch prüfen, ob das Versicherungsunternehmen gegen Informations- oder Belehrungspflichten verstoßen hat. In solchen Fällen können die jeweiligen Verbraucherzentralen helfen.

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