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Die anstehende Lebensversicherungsreform und ihre Folgen

Bisher war die Lebensversicherung der Deutschen liebstes Versicherungsprodukt, was die Kapitalanlage für die Altersvorsorge angeht. Mehr als 95 Millionen Verträge existieren hierzulande, doch die Zukunft der Lebensversicherung sieht düster aus und davon sind so ziemlich alle Versicherungsnehmer betroffen.

Der Abschluss einer Lebensversicherung – und vor allem einer Kapitallebensversicherung – gilt schon seit längerem wegen der niedrigen Zinsen nicht mehr als lohnenswert.

Nachdem in der vergangenen Woche der Leitzins von der EZB auf einen historischen Tiefstwert von 0,15 Prozent gesetzt wurde, sollte man vor einem Neuabschluss in dieser Versicherungssparte genau überlegen, ob man sein Geld nicht besser in höher verzinste Anlagemodelle investieren sollte.

Darüber hinaus steht ein Reformpaket der Lebensversicherung an, denn durch die niedrigen Leitzinsen der Europäischen Zentralbank können die meisten Versicherungsgesellschaften die versprochenen Renditen für die Versicherungsnehmer nicht mehr einhalten.

Der Garantiezins sinkt für Neuabschlüsse von Kapitallebensversicherungen

Das Reformpaket plant den Garantiezins ab dem 1. Januar 2015 für Kapitallebensversicherungs-Neuverträge von 1,75 Prozent auf 1,25 Prozent zu senken. Der einmal sehr attraktive Garantiezins von 4 Prozent, mit dem viele Kunden zu einem Versicherungsabschluss gelockt wurden, gehört damit der Vergangenheit an.

Vor allem Versicherungskunden, deren Auszahlung der Lebensversicherungspolice bald fällig wird, müssen wahrscheinlich Verluste von 6 bis 7 Prozent hinnehmen. Die Verlusthöhe hängt allerdings von der Höhe der Versicherungssumme ab.

Termin für das Inkrafttreten des Reformpakets steht noch nicht fest

Manche Versicherungsnehmer spielen daher mit dem Gedanken, die Versicherung zu kündigen, doch sollte das Reformpaket schon Mitte Juli 2014 in Kraft treten, bleibt den Versicherten keine Zeit mehr zu überprüfen, ob sich eine Vertragskündigung lohnt. Die übliche Kündigungsfrist wäre nämlich erst am 31. Juli möglich.

Finanzexperten kritisieren, dass die Regierung die Bürger sozusagen zum Verzicht auf ihre Überschussbeteiligung per Gesetz zwingt und empfehlen, bei dem jeweiligen Abgeordneten Protest einzulegen.

Ein genaues Datum für das Inkrafttreten des Lebensversicherungs-Reformpakets steht aber noch nicht fest, die Bundesregierung hofft, es noch vor der Sommerpause verabschieden zu können.

(Bildquelle Artikelanfang: © Alina Isakovich #15263907/Fotolia.com)

Der Garantie-Zins der Lebensversicherung kommt ins Wanken

Die Rendite der klassischen kapitalbildenden Lebensversicherung setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen: einmal aus dem Garantiezins, laufender Überschussbeteiligung, Schlussüberschuss und der Beteiligung an den Bewertungsreserven. Ein recht komplexes Gebilde also, das der Kunde kaum durchblicken kann.

Dabei wird der Garantiezins nicht auf die eingezahlten Beiträge berechnet, sondern nur auf den Sparanteil. Dieser bleibt übrig nach Abzug der Verwaltungs- und Vertriebskosten sowie der Kosten für den Todesfallschutz.

Doch schon seit ein paar Jahren wird die Überschussbeteiligung von vielen Versicherungsanbietern zusammengestrichen. Denn die erwarteten Zinsen lassen sich an den Finanzmärkten nicht mehr erwirtschaften, vor allem wegen der künstlichen Niedrigzinspolitik der Zentralbanken.

Lohnen sich Neu-Abschlüsse in der Lebensversicherung noch?

Wer einen neuen Lebensversicherungsvertrag abschließt, muss daher mit einem deutlich niedrigeren Garantiezins rechnen. Der durchschnittliche Garantiezins liegt momentan  bei 3,2 Prozent.

Da stellt sich nun mancher die Frage, ob es sich noch lohnt, eine kapitalbildende Lebensversicherung abzuschließen. Andere werden sich fragen, ob ihre Policen die vereinbarten Garantien, die über dem augenblicklichen Zins von 3,2 Prozent liegen, noch bieten.

Zum letzten Punkt kann so viel gesagt werden, dass die bei Vertragsschluss garantierten Leistungen vom Versicherungsunternehmen über die komplette Laufzeit verbindlich bedient werden müssen.

Anpassungen des Garantiezinses gelten immer nur für danach neu abgeschlossene Versicherungsverträge. Daher gibt es noch zahlreiche Versicherungsnehmer, die Policen mit einem Garantiezins von 4 Prozent besitzen und diesen auch erhalten werden.

Zur ersten Frage, inwieweit lohnt es sich noch, in dieser Phase der Niedrigzinsen eine Lebensversicherung abzuschließen, kann nur empfohlen werden, sich nach Anbietern mit einer (ziemlich) attraktiven Verzinsung umzusehen. Denn auch wenn viele Versicherer ihre Zinsen deutlich gesenkt haben, gibt es immer noch Unternehmen, die mehr als 3,2 Prozent Garantiezins bieten. Man muss nur länger suchen.

Versicherungsexperten sagen aber voraus, dass in Zeiten höherer Zinsen und damit steigender Erträge auch für Kunden mit geringem Garantiezins eine höhere Überschussbeteiligung nachgeholt wird.

Garantiezins eine Belastung für Versicherungsunternehmen

Generell wären wohl die meisten Versicherungsanbieter froh, wenn sie sich von den teuren Garantiezinsen endgültig trennen könnten. Denn solange die Zentralbank die Zinsen so niedrig ansetzt, müssen viele Milliarden zur Seite gelegt werden, um Garantieverpflichtungen einhalten zu können. Daher will man auch irgendwann neue Vertragsmodelle anbieten, die nur noch über einen Zeitraum von zehn oder fünfzehn Jahren Zinsen garantieren.

Allerdings kommen schon Proteste von Verbraucherschützern, die darin das Ende der beliebten kapitalbildenden Lebensversicherung sehen. Durch diese Zinsbefristung würde der Verbraucher stark verunsichert, sodass die Abschlussrate in dieser Versicherungssparte spürbar nach unten gehen würde. Genauso würde sich durch die neuen Modelle die Gewinnbeteiligung der Versicherungsunternehmen immer willkürlicher gestalten.

Wenn Sie sich online kostenlose und unverbindliche Angebote zur Lebensversicherung einholen, achten Sie also vor allem auf den Garantiezins.

(Bildquelle Artikelanfang: © SP-PIC #38758578/Fotolia.com)

Wichtiges zur Kapitallebensversicherung

Man unterscheidet bei der Lebensversicherung zwischen zwei verschiedenen Versicherungsmodellen:

Einmal gibt es die Risikolebensversicherung, die nur im Todesfall der versicherten Person Leistungen an die Hinterbliebenen zahlt, und einmal gibt es die Kapitallebensversicherung, die gerne als eine Altersvorsorge-Variante von vielen Selbständigen, aber auch Angestellten genutzt wird.

Mit dieser Lebensversicherung-Variante lässt sich neben der Familienabsicherung im Todesfall auch Kapital anhäufen, das Sie mit Eintritt in den Ruhestand ausgezahlt bekommen.

Die Kapitallebensversicherung garantiert eine gesetzliche Mindestverzinsung von 1,75 Prozent, darüber hinaus erhalten Sie von der Versicherungsgesellschaft einen Teil der erzielten Gewinne. Das heißt, je erfolgreicher das Unternehmen wirtschaftet, desto höher fallen Ihre Überschussbeteiligungen aus, was sich positiv auf Ihre spätere Rentenauszahlungen auswirkt.

Bei Versicherungsabschluss können Sie die Laufzeit und Beitragshöhe individuell festlegen. Je länger die Laufzeit und höher die Beiträge ausfallen, desto höher wird auch später die Rentenzahlung für Sie sein. Ebenfalls können Sie sich entscheiden, ob Sie eine jährliche Anhebung der Versicherungsbeiträge wollen (Dynamisierung) oder nicht.

Wie gestalten sich die Kosten einer Kapitallebensversicherung?

Die Versicherungsbeiträge der Kapitallebensversicherung gliedern sich generell in drei Teile, den Sparanteil, den Risikoanteil und die Verwaltungs- und Vertriebskosten des Versicherungsunternehmens.

Der Sparanteil ist der größte Posten und wird für Ihre spätere Rentenzahlung eingesetzt. Der Risikoanteil definiert sich über Ihr Sterberisiko, das von Ihrem Gesundheitszustand und Ihrem Alter abhängt. Wenn Sie noch recht jung sind, dann fällt dieser Anteil deutlich niedriger aus, als wenn Sie schon über 50 sind und erst dann eine Kapitallebensversicherung abschließen. Der dritte Posten, die Verwaltungs- und Vertriebskosten der Versicherungsgesellschaft, gestaltet sich bei jedem Unternehmen unterschiedlich hoch.

Aus diesem Grund sollten Sie bei der Wahl der für Sie besten Versicherung sich bei Versicherungsmakler informieren, wie das jeweilige Unternehmen mit seinem Geld wirtschaftet.

Empfehlenswert ist auch, eine Versicherungsgesellschaft auszuwählen, die nicht auf einer Gesundheitsprüfung des Versicherungsnehmers besteht.

Besteuerung der Erträge aus der Kapitallebensversicherung

Seit dem 1. Januar 2005 wurde für den Abschluss von Kapitallebensversicherungen eine Neuregelung zur Besteuerung eingeführt, die mit dem Auszahlungszeitpunkt fällig wird. Versicherungen, die vor dem 31.12.2004 abgeschlossen wurden, sind von der Neuregelung nicht betroffen.

Die Regelung gestaltet sich folgendermaßen: Die eingezahlten Beiträge werden von dem Auszahlungsbetrag abgezogen. Die Differenz (der sogenannte Ertrag) unterliegt schließlich der Einkommensteuer.

Geht die Laufzeit der Versicherung mindestens über 12 Jahre und beginnt die Auszahlung erst nach dem 60. Lebensjahr, so muss man nur die Hälfte des Ertrags versteuern.

Werden die  Versicherungsleistungen durch einen Todesfall gezahlt, bleiben diese steuerfrei, allerdings kann dann die Erbschaftssteuer greifen. Darüber hinaus können seit dem 1. Januar 2005 die Versicherungsbeiträge nicht mehr steuerlich geltend gemacht werden.

Mehr zu diesem Thema erfährt man auch im Versicherungsmagazin “VERSICHERUNGO“.

(Bildquelle Artikelanfang: © Alina Isakovich #15263907 /Fotolia.com)